Die Immersionsmethode (Sprachbad) gilt heute als das mit Abstand erfolgreichste Verfahren zur Sprachvermittlung, insbesondere im Vorschulalter.
Hierbei ist entscheidend, dass für das Erlernen einer Zweitsprache nicht nur der frühe Beginn, sondern auch die Intensität des Kontaktes zur neuen Sprache entscheidend ist.
In den Kindertagesstätten bedeutet dies, dass alle Aktivitäten nicht in der Erstsprache der Kinder, sondern von sorbischen Muttersprachlern oder vom entsprechend sprachlich qualifizierten Personal in der Zweitsprache angeboten werden.
Immersionsprogramme gibt es seit über 20 Jahren in Nordamerika und Australien sowie in einigen europäischen Ländern wie Frankreich, Finnland, Spanien und Wales.
Immersion kommt dem natürlichen Spracherwerb sehr nahe. Das gelingt auch in der zweiten Sprache. Das Erlernen der Erstsprache muss nicht abgeschlossen sein, um eine weitere zu lernen. Fehler sind anfangs normal, an ihnen kann man sehr gut den Lernfortschritt ablesen. Voraussetzung ist lediglich eine altersgemäße Entwicklung der Muttersprache durch regelmäßigen Gebrauch in der Familie.
Das Prinzip „eine Sprache – eine Person“ bedeutet, dass sie sorbischsprachigen Erzieherinnen mit den Kindern nur Sorbisch sprechen.
Beim immersiven Lernen brauchen die Kinder nicht alle Worte verstehen. Es genügt, wenn sie wissen worum es geht. Wiederkehrende Rituale wie Grüßen, Waschen, Essen etc. begreifen die Kinder zuerst. Dabei durchschauen diese die sprachlichen Strukturen zwar nicht, aber das Wichtigste ist, die Kinder können sich selbständig erschließen, worum es geht.
Die altersgerechte Entwicklung der jeweiligen Muttersprache kann vor allem dadurch gewährleistet werden, wenn diese zuhause ausreichend gebraucht wird und auch die Eltern der Zweisprache gegenüber aufgeschlossen sind. Hier ist die begleitende Elternarbeit sehr wichtig.
Die aktuelle Hirnforschung hat bewiesen, dass Kinder die Fähigkeit besitzen, Sprache bewusst zu reflektieren. Sie bilden Beziehungen, Oberbegriffe und Zuordnungen und fassen selbständig Informationen zusammen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Mutter- und Zweitsprache finden sie selbständig heraus.
So wird durch Gespräche der Eltern und Erzieherinnen mit den Kindern automatisch auch Grammatik vermittelt. Das menschliche Gehirn entdeckt diese Strukturen weitgehend unbewusst. Bewusst gelernte Regeln werden leider oft schnell wieder vergessen.
Die Erzieherinnen benutzen die sorbische Sprache, um Inhalte, Gefühle und Beziehungen auszudrücken. Kinder ahmen die Erzieherinnen nach, weil sie die gleichen Bedürfnisse entwickeln. Die Sprache ist dadurch ein wirksames Hilfsmittel zum Zweck.
Durch die enge Zusammenarbeit mit den Grundschulen wird eine enge Verzahnung und ein fließender Übergang zwischen den Kindertagesstätten und der Grundschule erreicht, so wie es in den Bildungs- und Lehrplänen in Sachsen und Brandenburg vorgesehen ist.
Mehr als 10-jährige Erfahrungen des Sorbischen Schulvereins haben ergeben, dass das Niveau der Zweit- und Fremdsprachenerkenntnisse bei immersiv lernenden und betreuten Kindern signifikant höher ist als das der Kinder, die eine Zweitsprache erst in der Schule lernen.
Wichtig ist, dass keine Defizite in der Entwicklung der Erst- bzw. Muttersprache in der Grundschule festgestellt werden konnten.