Geschichte des Modellprojekts Witaj

1990–gesellschaftliche Umstrukturierung

Schulen

Mit der Einheit Deutschlands im Jahre 1990 begann die gesellschaftliche Umstrukturierung auch auf dem Gebiet des Schulwesens, welches mit Einführung des Föderalismusprinzips zur hoheitlichen Aufgabe der einzelnen Bundesländer wurde.

Sorbische und zweisprachige Schulen sind seit dem eingebettet in das jeweilige Schulsystem der Länder Sachsen und Brandenburg und haben grundsätzlich die gleichen Bildungs- und Erziehungsziele als auch Abschlüsse wie alle anderen deutschen Schulen in diesen Ländern.

Die bis dato praktizierte Unterscheidung des Sorbischunterrichts im Status der Mutter- oder Zweit- bzw. Fremdsprache konnte anhand der enorm sinkenden Schülerzahlen und bei geänderten Schulstrukturen in Sachsen nicht mehr beibehalten werden.

Kindertagesstätten

Die zweisprachige sorbisch-deutsche institutionelle Erziehung wurde unter Anwendung des Modellprojekts Witaj in den frühkindlichen Bildungsabschnitt, in die Kindertagesstätten vorverlegt.

Der Sorbische Schulverein e.V. hat das Modellprojekt Witaj nach der Idee des bretonischen DIWAN-Modells in Frankreich zur Förderung und zur Revitalisierung der sorbischen (wendischen) Sprache entwickelt.

Revitalisierungsprogramm

Das vorrangige Ziel des modifizierten Revitalisierungsprogramms ist, aktive Sprecher des Sorbischen (Wendischen) heranzubilden.

Durch Anwendung der vollständigen Immersion schon im frühen Kindesalter werden die Kinder auf Wunsch der Eltern in ein „sorbisches Sprachbad“ getaucht.

Es wird ein nahtloser Übergang von Witaj zu 2plus bzw. zum bilingualen Unterricht zielgerichtet vorbereitet. Bis zum Eintritt in die Grundschule haben diese Kinder entsprechend ihrem Entwicklungsstand gelernt, mit zwei Sprachen umzugehen und weisen bei der Einschulung bereits einen enormen Wissensvorsprung gegenüber einsprachigen Kindern auf.

Ziel

Es waren glückliche Umstände, dass zum richtigen Zeitpunkt , die richtigen Entscheidungen am richtigen Ort getroffen wurden, die noch dazu ein fundamentales landespolitisches Anliegen Brandenburgs und Sachsens erfüllen:

Erhalt, Weiterentwicklung und Revitalisierung der sorbischen (wendischen) Sprache.

Wir haben festgestellt, dass frühe Zweisprachigkeit wesentlich schneller zur Mehrsprachigkeit führt und Toleranz und Verständnis für weitere Sprachen und Kulturen vermittelt .

Witaj wird in Sachsen durch die Konzeption 2plus und in Brandenburg als bilingualer Unterricht weitergeführt. Die sprachlichen und kulturellen Traditionen der Lausitzer Sorben (Wenden) werden so in eine neue Zeit überführt werden.

Sorbische Sprache

Bei der sorbischen (wendischen) Sprache handelt es sich um zwei 1.500 Jahre alte westsslawische Schriftsprachen (Ober- und Niedersorbisch), die Identität artikulieren, Geschichte und Geschichten übermitteln, die Seele des Volkes bewahren und Brücken zwischen den sorbischen und deutschen Bürgern bauen.

 

 

 

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